SCHRIFT

Geschichte

Geschichte

 


Der älteste erhaltene Abschnitt des Limburger Schlosses, vom Hof aus gesehen


Funde auf dem Limburger Domberg lassen darauf schließen, dass dieser bereits um 500 v. Chr. eine keltische Siedlung trug. Ihr Zentrum lag auf dem heutigen Domplatz.
Um 760 entstand die erste merowingische Befestigung auf dem späteren Domberg, die zur Burg Limburg ausgebaut wurde. Die ursprüngliche Befestigung wurde wahrscheinlich zum Schutz einer Furt der Lahn errichtet. In ihrem Schutz entstand zunächst eine Ansiedlung, aus der sich später die Stadt entwickelt hat. 910 wurde Limburg erstmals unter dem Namen „Lintpurc“ urkundlich erwähnt: Ludwig das Kind schenkte einen Hof in Oberbrechen dem Gaugrafen Konrad Kurzbold, damit dieser damit das von ihm gegründete Stift St. Georg ausstatten konnte. Die darüber ausgestellte Urkunde befindet sich heute im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden. Der Ort erlangte mit der Gründung des Stifts schnell an Bedeutung und profitierte durch den regen Warentransfer der Höhenstraße (Via Publica).
1150 wurde eine hölzerne Brücke über die Lahn errichtet. Die Fernstraße von Köln nach Frankfurt am Main führte von da an durch Limburg. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Burg Limburg in ihrer heutigen Form errichtet. Kurz darauf ging die Stadt in den Besitz der Herren von Ysenburg über. 1214 erlangte der Ort das Stadtrecht. Reste der Schutzmauer aus den Jahren 1130, 1230 und 1340 mit einer größten Länge von rund 1000 Metern zeigen noch heute die schnelle Entwicklung der aufblühenden Stadt im Mittelalter. Für 1180 ist eine Münzprägung in Limburg verbürgt.


Spätromanischer Limburger Dom


Mittelalterliches Fenster im hinteren Dombereich (Peristyl)


Eine Linie der Herren von Isenburg residierte von 1258 bis 1406 auf der Burg Limburg und nannten sich nach ihrem Sitz Herren von Limburg. Dieser Linie entstammte Imagina von Isenburg-Limburg die Gattin des deutschen König Adolf von Nassau.
Die herrschende Schicht der mittelalterlichen Bürgerschaft waren reiche Kaufmannsfamilien, deren Häuser in unmittelbarer Nähe des Burgtores standen und beim Bau der ersten Stadtmauer von dieser eingehegt wurden. Der Bereich des heutigen Rossmarkts, in dem viele einfache Handwerker lebten, wurde erst beim zweiten Mauerbau in die Befestigung einbezogen. Ihre Bewohner erhielten im Vergleich zur Kaufmanns-Elite kein Mitspracherecht in städtischen Angelegenheiten und durften keine Vertreter in den Rat der Stadt entsenden, mussten aber die finanzielle Hauptlast des Gemeinwesens tragen. Erst 1458 durften sie zwei Vertreter in den Rat entsenden.


Rest der Stadtmauer am Eschhöfer Weg


Der auf dem Platz der alten Stiftskirche erbaute Sankt-Georgs-Dom, auch Georgsdom genannt, wurde 1235 geweiht. Am 14. Mai 1289 vernichtete ein verheerender Stadtbrand weite Teile der Limburger Innenstadt, die aber wieder aufgebaut wurde. Eines der damals errichteten Häuser ist der Römer 2-4-6, heute eines der ältesten deutschen Fachwerkhäuser. 1337 wurden die Limburger Juden aus der Stadt vertrieben. Erst 1341 durften sie wieder auf königlichen Befehl in der Stadt siedeln. 1344 wurde die Stadt zur Hälfte an Kurtrier verpfändet, 1420 ging sie ganz in kurtrierischen Besitz über. Dieser Vorgang sowie der erneute Stadtbrand (1342) und die Pest (1349, 1356 und 1365), vor allem aber der Aufstieg der Territorialfürsten, führten zum allmählichen Niedergang. 1315 und 1346 wurde, vermutlich in zwei Abschnitten, die steinerne Lahnbrücke errichtet.
Bereits 1232 wurde der neu gegründete Franziskanerorden in Limburg aktiv. Ab 1246 lassen sich Beginen nachweisen. Bei ihnen handelte es sich wohl vor allem um Frauen aus der Bürgerschaft. Spätestens 1341 besaß ihre Gemeinschaft ein eigenes Haus. 1417 sind die Beginen letztmals erwähnt.

Limburgs Stadthauptmann Friedrich von Hattstein von 1357 bis 1363.


Auf der Limburger Plötze, dem so genannten „Plätzchen“, steht das Denkmal des ehemaligen Raubritters Friedrich von Hattstein. Diesen Edelmann konnten die Limburger im Jahre 1353 "bekehren" und als Stadthauptmann verpflichten. Zuvor hatte der Ritter ein bewegtes Leben in Saus und Braus verbracht.




Es war im Jahr 1353, als Siegfried von Rheinberg auf dem Eichelbacher Hof Hochzeit hielt. Der Raubritter Friedrich von Hattstein, der auf seiner Burg bei Schmitten von dem Fest erfahren hatte, wollte es für seine Zwecke nutzen. Bei Nacht und Nebel verließ er also mit ein paar Männern seine Burg und überrumpelte das Hochzeitsgelage, so dass der Rheinberger nur mit knapper Not durch einen Geheimgang entkommen konnte.

Mit diesem Tag begann ein Raubritterwüten des Hattsteiners zwischen Camberg, Hasselbach und Rod an der Weil. Kaufleute mieden die ehemals viel befahrene Rennstraße, denn auf ihr erpresste und plünderte der Hattsteiner häufig und ohne Rücksicht. In einer Chronik heißt es dazu, «die Straße» sei bald «still und verlassen» gewesen, «so dass das Gras wuchs wie auf einer guten Wiesen».

In den umliegenden Dörfern seufzten die Bauern unter der Herrschaft des Raubritters, doch vier Jahre lang sollte sein Schreckensregiment bestehen. Da geschah es auf den Johannistag im Jahr 1357, dass Friedrich von Hattstein sein neues Domizil zu einem Besuch nach Limburg verließ. Kundschafter berichteten Siegfried von Rheinberg über diese Reise, so dass dieser die Gelegenheit ergriff, mit einigen verbündeten Rittern den Eichelbacher Hof zu überfallen und wieder unter seine Herrschaft zu stellen.

Friedrich von Hattstein war somit der Weg abgeschnitten und es blieb nichts anderes übrig, als Stadthauptmann im handelsstarken Limburg zu werden. Gegen jährlich 32 Gulden Sold nahm der ehemalige freie Ritter ein bürgerliches Amt an und wurde Stadthauptmann von Limburg an der Lahn.

Dieser Schritt ist nicht nur beispielhaft für die sich ändernden sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der Stadt Limburg, sondern stellvertretend für den Wandel einer ganzen europäischen Epoche. Die Ursache findet sich im Niedergang des Ritterstandes und im Aufstreben der Städte, bedingt durch die Entwicklung der Geldwirtschaft. So lässt sich der Spross eines Adelsgeschlechts sozusagen von den Limburger Pfeffersäcken und Kesselflickern  "einkaufen".

Doch noch einmal, bei der Fehde Limburgs mit den Rittern von Reifenberg, überfiel Friedrich von Hattstein ein Dorf, das unter Reifenberger Herrschaft war. Die Hattsteiner wüteten so furchtbar in dem schlafenden Dorf, dass aus dem nahen Bach in derselben Nacht ein Blutbad wurde. Die Rache der Reifenberger ließ nicht lange auf sich warten. Die Kunde von dem Morden erreichte sie schnell, und sofort verfolgten sie den Hattsteiner, bis es vor den Toren Limburgs zur Schlacht kam. Im Jahr 1363, am Pfingstmontag, starb Friedrich von Hattstein in Amt und Würden bei einem Kampf vor der Greifenpforte an der Lahn unter den Hieben der Reifenberger.

Die Art und Weise der Berufsausübung des Friedrich von Hattstein muss für den Rat der Stadt Limburg äußerst zufrieden stellend ausgefallen sein; denn der Chronist Tilemann Elhen von Wolfhagen vermerkt anlässlich des (immerhin ritterlichen) Todes ihres Stadthauptmannes:
„Die Limburger verlören ihn zumahl niet. Dann er ihnen nutzlich und dienstlich was.“

Gefürchtet war Friedrich von Hattsteins Kraft, denn er konnte ein volles Weinfass (160 L) stemmen. Gerne gefüllt mit "Runkeler Rote", den der Stadthauptmann in gewaltigen Mengen konsumiert haben soll. Der Limburger Chronist berichtete später, dass der Hattsteiner selbst wohl am tollsten gefeiert hat: „Auch war derselbe Friedrich groß und starck, dass er ein Ohm Weins aufhub und tranck aus der Ponten (Spundloch).“

So wurde 1360 in Bullay an der Mosel Kirchweih gefeiert. Als einige geladene Edelmänner ihre Trinkfestigkeit beweisen wollten, sprang plötzlich der Limburger Feldhauptmann Friedrich von Hattstein auf, nahm das an der Tür liegende Weinfaß auf und setzte es an den Mund. Zwei einheimische Ritter sahen sich in Ihrer Ehre als Moselaner gekränkt und wollten dem mutigen Beispiel des Ortsfremden natürlich nicht nachstehen. Sie ließen sich ebenfalls je ein Weinfaß bringen. Und unter dem Beifall der staunenden Menge leerten alle drei den Inhalt, so dass man sich friedlich vertrug. Nach lautem gemeinsamen Singen, einem Hoch auf  den Kaiser, den Papst und noch sehr viele andere im Kreise, sankk schließlich einer nach dem anderen der adeligen Herren unter den Tisch und in den wohlverdienten Schlaf.

Diese und andere Geschichten des Friedrich von Hattstein und seines Amtes als Stadthauptmann zu Limburg erzählt der vor über 20 Jahren auf der Limburger Plötze aufgestellte Hattstein-Brunnen.




Limburg – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655


Im Umfeld des Deutschen Bauernkrieges kam es 1525 auch zu Unruhen in der Limburger Bevölkerung. Nachdem der Trierer Kurfürst verlangt hatte, dass die Bürgerschaft einen lutherischen Prediger aus der Stadt ausweise, überreichte ein Ausschuss aus nicht-ratsfähigen Bürgern am 24. Mai dem Rat eine 30 Punkte umfassende Forderungsliste. Darin ging es vor allem um finanzielle Mitbestimmung und die Gleichbehandlung in Abgaben-, Handels- und Baufragen mit der Kaufmannschaft. Diese Forderungen wurden in den folgenden Tagen in Verhandlungen zwischen Ausschuss und Rat auf 16 Punkte reduziert, die danach wohl mit dem Kurfürsten verhandelt wurden. Am 5. August verfügte Erzbischof Richard jedoch, dass der Rat sämtliche Zugeständnisse der Bürgerschaft gegenüber wieder aufheben sollte. Zudem wurde ein Versammlungsverbot erlassen und die nichts-ratsfähige Bürgerschaft sollte auch ihre beiden Vertreter nicht mehr in den Rat schicken dürfen.
1806 fiel Limburg an das neu gegründete Herzogtum Nassau. 1818 wurde die Stadtmauer niedergelegt. 1827 wurde die Stadt zum katholischen Bischofssitz erhoben. 1866 fiel das Herzogtum und damit Limburg als Folge des Deutschen Krieges an Preußen. Ab 1862 war Limburg Knotenpunkt wichtiger Eisenbahnstrecken und ab 1886 Kreisstadt. 1892 ließen sich die Pallottiner, 1895 die Pallottinerinnen in der Stadt nieder.
Von 1919 bis 1923 war Limburg „Hauptstadt“ und Gerichtssitz des Freistaat Flaschenhals weil es die nächste unbesetzte Stadt der Weimarer Republik war.
Limburg war nie eine Garnisonsstadt im eigentlichen Sinn, aber Standort mehrerer militärischer Versorgungs- und Verwaltungseinrichtungen. 1889 wurde ein Bezirkskommando von Weilburg nach Limburg verlegt und blieb dort bis 1918 bestehen. 1938 entstand ein Wehrbezirkskommando. 1966 zog die "Depotgruppe Mitte", später Versorgungskommando 850, von Mainz nach Limburg um. Sie diente der Materialversorgung insbesondere des III. Korps und wurde in der ehemaligen Fabrik Scheid untergebracht. Das Versorgungskommando verwaltete mehrere Depots mit mehr als 3000 Mitarbeitern. 1976 wurde zudem ein Gerätedepot aus Lindenholzhausen an den Sitz des Versorgungskommandos in Limburg verlegt. In den 1990er Jahren wurde die Limburger Bundeswehr-Niederlassung aufgelöst.

1100 Jahre Limburg an der Lahn: Briefmarke von 2010

 

2010 feiert Limburg den 1100. Jahrestag seiner ersten Erwähnung. Aus diesem Anlass erschien Anfang Januar 2010 eine Sonderbriefmarke, deren Motiv ein Gemälde von George Clarkson Stanfield von 1867 ist, das den äußeren Brückenturm, die Alte Lahnbrücke und den Dom von Nordwesten zeigt. Das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn.
Limburger Säcker

Der Name „Säcker“ ist rasch erklärt: Die großen Fernhandelsstraßen von Antwerpen bis Byzanz und Paris bis Böhmen führten bereits im frühen Mittelalter, noch vor dem Bau der ersten Holzbrücke im Jahr 1175, durch Limburg. Die Menschen überquerten damals die Lahn durch eine niedrige Furt. Teilweise mussten die Waren der Fuhrwerke abgeladen und getragen werden. Diese Aufgabe übernahmen Taglöhner, die später den Namen „Säcker“, für „Sackträger“ bekamen. Auch nachdem die steinerne Brücke im Jahr 1235 angelegt war, mussten die Säcker oft noch helfen. Die Handelsstraße führte durch eine schmale Stelle in der Fahrgasse. Hier sprangen die Säcker, wenn die Wagen zu breit beladen waren, wieder ein, luden die Säcke ab, trugen sie ein Stückchen weiter, und beluden die Fahrzeuge weiter vorne neu.

Letzte Aktualisierung : 26.03.2010

Quellen: Wikipedia,  Hagen von Coelln zu Lindenburg,ChDe